🚑 Ausfall & Recovery: Wenn Hardware stirbt

Festplatten sind Verschleißteile – früher oder später wird eine Festplatte in deinem NAS sterben. Doch keine Panik: ZFS ist genau dafür gebaut! Hier erfährst du, wie du Systemausfälle und defekte Datenplatten reparierst, ohne Daten zu verlieren.

1. Die Lebensversicherung: Das Config-Backup

Die wichtigste Regel bei TrueNAS: Sichere regelmäßig deine Konfiguration! In dieser winzigen Datei (oft nur wenige Kilobyte groß) stehen all deine angelegten Benutzer, Passwörter, Freigaben (SMB/NFS), Netzwerkeinstellungen und VM-Konfigurationen.

  1. Gehe im Webinterface auf System Settings > General.
  2. Klicke oben rechts bei Configuration auf Manage Configuration und dann auf Download File.
  3. Speichere diese Datei sicher ab (z.B. in einer Cloud oder auf einem USB-Stick). Setze im Dialogfenster den Haken bei Export Password Secret Seed, um auch Passwörter mitzusichern!

2. Die Boot-Platte ist defekt (oder Hardware-Umzug)

Szenario: Das NAS bootet nicht mehr (SSD kaputt)

Deine NVMe/SATA-SSD, auf der TrueNAS installiert war, ist abgeraucht. Das Mainboard meldet "No boot device". Sind jetzt alle Daten auf den großen Festplatten weg? Nein! ZFS speichert alle Informationen über den Pool direkt auf den Datenfestplatten selbst.

Die Rettung (Mit Config-Backup):

  1. Baue eine neue kleine SSD ein.
  2. Installiere TrueNAS Scale komplett frisch über einen USB-Stick (wie bei der Grundinstallation).
  3. Logge dich im frischen Webinterface ein, gehe auf System Settings > General > Manage Configuration und wähle Upload File.
  4. Lade dein Config-Backup hoch. TrueNAS startet neu und alles ist wieder exakt so, wie es vor dem Ausfall war! Der Pool wird automatisch erkannt und eingebunden.

Die Rettung (Ohne Config-Backup)

Du hast vergessen, die Konfiguration zu sichern? Das ist ärgerlich, aber deine Daten sind trotzdem noch da!

  1. Installiere TrueNAS frisch auf der neuen SSD.
  2. Gehe im Webinterface auf Storage.
  3. Klicke oben rechts auf Import Pool (NICHT auf Create Pool!).
  4. TrueNAS durchsucht alle angeschlossenen Festplatten, erkennt deinen alten ZFS-Pool und bindet ihn mit allen Dateien wieder ein.

Der Nachteil: Du musst nun alle Benutzer, Berechtigungen (ACLs) und SMB-Freigaben komplett neu anlegen. Die eigentlichen Dateien (Fotos, Dokumente) im Pool sind aber unversehrt.

3. Eine Festplatte im VDEV (Speicherpool) ist defekt

Szenario: Eine 8TB Platte im RAID-Z1 fällt aus

TrueNAS schlägt Alarm: Der Pool-Status wechselt von HEALTHY auf DEGRADED. Da du ein RAID-Z1 oder einen Mirror nutzt, sind deine Daten noch da, aber du hast keine Ausfallsicherheit mehr. Jetzt musst du handeln!

Die Reparatur (Resilvering):

  1. Finde heraus, welche Platte defekt ist (Gehe auf Storage, wähle deinen Pool und klicke auf Manage Devices oder Topology. Die defekte Platte wird als Offline oder Unavail markiert). Notiere dir die Seriennummer!
  2. Fahre das NAS herunter (falls du kein Hot-Swap-Gehäuse hast).
  3. Tausche die defekte Festplatte gegen eine neue Festplatte aus (Die neue Platte muss mindestens genauso groß sein wie die alte!).
  4. Starte das NAS.
  5. Gehe wieder auf Storage > Manage Devices. Klicke auf die defekte Platte und wähle Replace.
  6. Wähle aus der Liste die neu eingebaute Festplatte aus und bestätige.

Das Resilvering

Sobald du auf Replace klickst, beginnt das sogenannte Resilvering. ZFS berechnet nun anhand der Parität (oder des Mirrors) die fehlenden Daten und schreibt sie auf die neue Platte. Dieser Vorgang kann bei großen Festplatten (z.B. 16 TB) viele Stunden oder sogar Tage dauern! Lass das NAS in dieser Zeit einfach in Ruhe arbeiten. Sobald es fertig ist, wechselt der Pool wieder auf HEALTHY.