💾 RAID (Datenplatten) mit MDADM

In diesem Tutorial zeige ich dir, wie du unter Debian ein Software-RAID für zusätzliche Datenplatten mit mdadm einrichtest. Ein RAID 1 (Spiegelung) schützt deine Daten vor dem Ausfall einer einzelnen Festplatte – ideal für Server und Homelabs.

1. Was ist RAID?

RAID-Level im Überblick

RAID (Redundant Array of Independent Disks) kombiniert mehrere Festplatten zu einem logischen Laufwerk. Die wichtigsten Level:

  • RAID 0 (Striping) — Schneller, aber keine Redundanz. Fällt eine Platte aus, sind alle Daten weg.
  • RAID 1 (Mirroring) — Daten werden gespiegelt. Eine Platte kann ausfallen, ohne Datenverlust. ✅ Empfohlen für Server
  • RAID 5 — Mindestens 3 Platten, eine darf ausfallen. Gute Balance aus Leistung und Sicherheit.
  • RAID 10 — Kombination aus RAID 1 + 0. Mindestens 4 Platten. Hohe Leistung und Redundanz.

⚠️ RAID ist kein Backup! Es schützt nur vor Hardware-Ausfällen, nicht vor versehentlichem Löschen, Ransomware oder Softwarefehlern.

2. Voraussetzungen

Was wird benötigt?

  • Mindestens 2 identische zusätzliche Festplatten (gleiche Größe empfohlen)
  • Debian 11/12/13 (auf einer separaten OS-Platte) installiert und zugänglich via SSH
  • Root-Zugang

In diesem Tutorial verwenden wir /dev/sdb und /dev/sdc als RAID-Platten. Die Systemplatte (/dev/sda) bleibt unberührt.

3. MDADM installieren

Paket installieren

apt update
apt install mdadm -y

Festplatten identifizieren

Überprüft, welche Festplatten verfügbar sind:

lsblk

Ihr solltet eure zwei RAID-Platten sehen, z.B.:

sdb   8:16   0  480G  0 disk
sdc   8:32   0  480G  0 disk
📸 Screenshot: lsblk Ausgabe mit den RAID-Platten

4. Platten vorbereiten

Partitionen erstellen

Auf beiden Platten eine RAID-Partition erstellen:

# Erste Platte
fdisk /dev/sdb
# n → neue Partition → Enter für Defaults → t → fd (Linux RAID) → w

# Zweite Platte
fdisk /dev/sdc
# n → neue Partition → Enter für Defaults → t → fd (Linux RAID) → w

Alternativ mit parted oder gdisk (für GPT-Partitionen).

5. RAID 1 erstellen

RAID-Array erstellen

mdadm --create /dev/md0 --level=1 --raid-devices=2 /dev/sdb1 /dev/sdc1

Bestätigt die Abfrage mit y.

Synchronisation prüfen

Der Rebuild kann je nach Plattengröße einige Zeit dauern:

cat /proc/mdstat

Ihr seht den Fortschritt in Prozent. Wartet, bis der Rebuild abgeschlossen ist.

📸 Screenshot: mdstat – Synchronisationsfortschritt

Dateisystem erstellen & mounten

# Dateisystem erstellen
mkfs.ext4 /dev/md0

# Mount-Punkt erstellen
mkdir -p /mnt/raid

# Mounten
mount /dev/md0 /mnt/raid

Automatisch beim Boot mounten

In die /etc/fstab eintragen:

nano /etc/fstab

Folgende Zeile hinzufügen:

/dev/md0    /mnt/raid    ext4    defaults    0    2

6. Konfiguration sichern

MDADM-Konfiguration speichern

Damit das RAID nach einem Neustart automatisch erkannt wird:

mdadm --detail --scan >> /etc/mdadm/mdadm.conf
update-initramfs -u

7. Überwachung & Verwaltung

RAID-Status prüfen

# Kurzübersicht
cat /proc/mdstat

# Detaillierte Informationen
mdadm --detail /dev/md0

E-Mail-Benachrichtigungen (optional)

MDADM kann euch bei Problemen per Mail informieren:

nano /etc/mdadm/mdadm.conf

Folgende Zeile anpassen oder hinzufügen:

MAILADDR [email protected]
systemctl restart mdadm

Defekte Platte ersetzen

Falls eine Platte ausfällt:

# Defekte Platte entfernen
mdadm /dev/md0 --remove /dev/sdc1

# Neue Platte partitionieren (wie in Schritt 4)
fdisk /dev/sdd

# Neue Platte zum RAID hinzufügen
mdadm /dev/md0 --add /dev/sdd1

Der Rebuild startet automatisch. Fortschritt mit cat /proc/mdstat überwachen.

✅ RAID eingerichtet!

Euer Software-RAID läuft. Denkt daran: RAID ersetzt kein Backup! Richtet zusätzlich regelmäßige Backups ein, um eure Daten vollständig zu schützen.